Schreibwettbewerbe

Schreibwettbewerb vom 25.07.2016 bis zum 4.8.2016 Thema: Der größte Wunsch der RPG Figur

1. Platz Alecto
"Emelie Rosalie Norhood". Groß und mit klobigen weißen Lettern, stand ihr Name auf dem anthrazitgrauen Grabstein. Ich strich mir eine Träne von der Wange und legte den Strauch aus Lilien auf das Grab. Das waren ihre Lieblingsblumen gewesen, zumindest hatte sie sie so oft gemalt. Noch ein paar salzige Tränen liefen über meine Wangen, doch diesmal hielte ich sie nicht auf. Schon vor fast drei Monaten war ihre Beerdigung gewesen. Und ich war nicht da gewesen. Wie hätte ich auch herkommen sollen? Schließlich durfte ich nicht aus der Psychatrie raus. Ich weiß es noch genau, wie sehr sie sich auf ihre Entlassung gefreut hatte. Schon eine Woche vorher war sie wie eine rosa Glitzerwolke umhergelaufen und hatte vor Freude gestrahlt. Woher hätte sie denn von dem Unfall wissen können? Erst gestern hatte ich es erfahren, dass sie, meine allerbeste Freundin, die wie eine große Schwester die ganzen Jahre gewesen war, tot sein sollte. Erst konnte ich es gar nicht glauben, doch Alexander hatte mir alles erzählt. Auf dem Heimweg wurde der Wagen ihrer Eltern von einem LKW erfasst. Einfach so. Ihr Leben war auf einen Schlag vorbei, dabei hatte es gerade erst angefangen. Ich merkte, wie jemand mir den Arm über die Schulter legte und realisierte, dass ich schon eine halbe Ewigkeit hier gestanden hatte und auf das Grab gestarrt hatte. "Komm, wir gehen" flüsterte mir Alex ins Ohr und ich drehte mich um, wollte nur so schnell wie möglich weg hier, von diesem Ort. In diesem Augenblick war ich mir sicher, dass ich, wenn ich nur einen Wunsch frei hätte, Emelie wieder Leben einhauchen würde, den Unfall ungeschehen machen würde. Für sie. Damit sie ihr Leben leben kann, so wie sie es immer wollte.

 

2. Platz Lennert
Ich öffne vorsichtig meine Augen und schließe sie sofort wieder als grelles Licht mich umhüllt. Ich spüre Sand zwischen meinen Fingern und atme den frischen und leicht salzigen Geruch des Meeres ein. Jemand packt sanft seinen Arm und kichert leise: Hey, Papa aufstehen!" Ich rappel mich etwas verpennt auf und öffne erneut vorsichtig meine Augen und blinzle um ein klareres Bild zu bekommen. Vor mir erstreckt sich ein wunderschöner Sandstrand, Schilfhalmen strecken ihre Köpfe aus dem Sand und buntes Sandelzeug liegt verstreut, Kinderlache erfüllt die Luft und ich kann nicht anders als zu lächeln. Ohne es wirklich zu merken tragen mich meine Beine Richtung Wasser und die Wärme der Sonnenstrahlen bedeckt meine Haut. Den ganzen Tag verbringe ich mit meiner Familie im Wasser und am Strand. Noch nie war ich so glücklich und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen! Als die Sonne langsam am Horizont verschwindet und ich mich mit meinen Kindern in den Armen hinlege und glücklich einschlafe, schrecke ich plötzlich auf und schaue mich um. Ich hatte nur geträumt und ich kann nur hoffe mein größter Wunsch wird sich bald erfüllen!



3. Platz Seth
Seth kletterte geschickt eine Fassade hoch. Nicht besonderes, er konnte es sehr gut. Der etwas klein geratene Teenager dachte nicht nach. Dachte nicht an die Wachen, die zu tausenden unter ihm patrouillierten, dachte nicht daran, was geschehen würde wenn man ihn erwischte, nicht an die Höhe, in der er sich befand. Er konzentrierte sich ganz und gar auf sein Ziel. Dann erreichte er das Fenstersims. Sicher streckte er die rechte Hand danach aus, während er sich mit dem Rest des Körpers immer noch an die Wand presste. Seine Finger schlossen sich um das Sims und er krallte sich fest. Als er wusste, dass er sicheren Halt hatte, ließ er die Wand los, schaukelte zur Seite und hielt sich dann mit beiden Händen fest. Sekunden lang baumelte er in der Luft. Er legte die nackten Füße an die Wand, um sicherer zu sein, dann stemmte er sich hoch. Mit der Schulter zuerst warf sich Seth durch die Fensterscheibe. Er rollte sich auf dem teuren Teppich ab und stand wieder auf den Füßen. Während er sich nicht bewegte zählt er in Gedanken: eins – zwei – drei – vier – fünf... Bei zwanzig angekommen sah er sich im Raum um. Alles sah teuer aus. Leise wie eine Katze schlich er sich in das angrenzende Zimmer. Er deaktivierte die Alarmanlage, entdeckte die Kameras und machte sich einen Plan, wie er sein Ziel erreichen sollte.

Seth spannte sich an. Jetzt ging es um alles. Er sprang nach vorn, an Kamera I vorbei, drückte sich an der Wand entlang und kletterte dann ein Stück nach oben. Kamera II und III ausgetrickst! Auch an den anderen 17 Kameras kam er Problemlos vorbei, also konnte er sich das Buch schnappen. Vorsichtig schob er es in seine Jacke und machte sich auf den Weg zurück in das Zimmer mit dem eingeschlagenen Fenster. Er kletterte durch die Scherben und befestigte ein mitgebrachtes Seil an der stabilen Heizung. Das andere Seilende knotete er sich um den Bauch, dann sprang er. Der Fall dauerte nicht so lange wie das klettern, schließlich war das Buch im 10 Stock gewesen. Das Seil spannte sich einen Meter vor dem Boden. Menschen schrien und zeigten auf den Dieb, Wachen rannten auf ihn zu. Rasch schnitt er das Seil durch und landete auf den Beinen. Dann rannte er.

 

Seth wachte auf. Er lächelte. Schön wär' s, aber der Plan, dieses 10.000.000€ Buch zu stehlen, würde wohl noch nicht so bald in die Tat umzusetzen sein.

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